Tim Berne - The Sevens

09.10.2013 16:41 von jazz (Kommentare: 0)

New World Records 80586-2

Seine Musik ziele darauf ab, Klänge zu musikalischen Ideen werden zu lassen, aus denen weitere Ideen erwachsen, sagte Tim Berne vor bereits immerhin zwei Jahrzehnten. Der Avantgardist aus der Schule von Ornette Coleman und Julius Hemphill mit Vorlieben für György Ligeti, bleibt bei aller Freiheit doch stets mit einem Rest Wohlklang verbunden. "The Sevens" mit dem Arte Saxophone Quartet ist dafür Beleg und kompositorisches Statement jenes Künstlers, der Komposition und Improvisation auf besondere Weise verschweißt. Improvisationen, auch das ist für Tim Berne ein Credo, müssen stets eine eindeutige Zuordnung zur kompositorischen Idee besitzen.

"The Sevens" charakterisiert Bernes kammermusikalisches freies Musizieren, die Verbindung von Pulse und Metrum, von Harmonie und Dissonanz. Marc Ducret mit hin und wieder sensibel eingeworfenen Single-Note-Figuren sowie David Torn mit elektrischer Gitarre unterbrechen den Fluss der auf- und abschwellenden Saxophonlinien nicht. Tim Berne spielt sein Altsaxophon virtuos solo, vor dem Sound des Arte Quartetts oder unisono mit ihm. Zu hören sind die typischen überblasenen Stakkati im Duo und Trio mit den Gitarristen, bevor schließlich das Arte-Quartet hinzutritt, die treibende Kraft in ruhigen Soundflächen ausklingt – wie in "Quicksand". Das ist das Yin-Yan-Prinzip der ausgewogenen Balance von Komposition und Improvisation. Faszinierend auch das mitreißende Gitarrensolo Ducrets in "Tonguefarmer" von akustischer und elektronischer Raffinesse.

Die sechs Stücke spielen mit Klangfarben und rhythmischen Bewegungen, Reibungen und Verbindungen, Experiment und Tradition. "Einheit durch Kontrast" formuliert der PR-Text völlig richtig. "The Sevens" ist eine zeitgemäße und zugleich zeitlose Aufnahme.

(km)

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